Kolumne: Alex´Corner

Alex´Corner ist die Formel-1 Kolumne unseres Experten Alex. Hier erfahrt Ihr immer die allerwichtigsten Neuigkeiten, geheime Trends, spekulative Vermutungen und alles, was der wirkliche F1-Fan begehrt. Da, wo sich der Laie wundert und der Fachmann staunt, da fängt Alex´Corner erst an..

In seinen wöchentlichen Telefonaten mit Bernie, Max und Co. dringt Alex in Sphären vor, die kein Kai Ebel zuvor gesehen hat...

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2018-09-05: Und täglich grüßt das Murmeltier…

Irgendwie seltsam, dass mir seit 2 Jahren immer wenn ich ein Alex Corner schreibe, Bill Murray und Andie MacDowell (schon komisch, was man Anfang der 90-er Jahre als hübsch empfand, oder?) in den Sinn kommen.

Jedes Mal muss ich einen Fahrer kritisieren, den ich nicht nur mag, sondern der auch noch vom reinen Rennspeed her der wahrscheinlich beste Fahrer der Gegenwart ist. Zwar ist Lewis – ähnlich wie vor 3 Jahrzehnten Ayrton Senna – auf einer Runde „Hammertime“ wohl eine Zehntel schneller, doch über ein gesamtes Rennen ist Sebastian Vettel einfach unglaublich stark.
Nicht umsonst ist er 4-maliger Weltmeister, hat Teamkollegen wie Webber, Ricciardo und Raikkonen stets im Griff und hat mit inzwischen 52 GP Siegen mehr Rennen gewonnen als Senna oder Prost.

Aber unter Druck ist er eben auch fehleranfällig. Und daher muss ich tun, was ich tun muss:
Vettel hat es wieder versaut. So wie 2017 in Singapur, als er durch Übermut mit seinem Teamkollegen kollidierte und in einer Phase, als Ferrari gerade mal siegfähig war, eben nicht die WM Führung erobern konnte. Wie Ende 2017, als er in Mexiko nach Kollision mit Hamilton endgültig die WM Hoffnungen begraben musste und wie in China und Aserbaidschan zu Beginn dieser Saison hat er Rennen, die man als Weltmeisterschafts-Anwärter hätte gewinnen müssen, aus verschiedenen Gründen eben nicht gewonnen. Strategische Fehlentscheidungen des Teams, Überhastete Überholversuche oder vermeidbare Kollisionen. Eben Fehler.

Und auch diesmal kommt Vettel von 2 Rennen in Spa und Monza, bei denen der Ferrari das etwas bessere Team war, mit einem größeren Punkterückstand heraus, als er aus der Sommerpause gekommen war. Nach einem starken Manöver nach dem Start in Belgien und einem Paraderennen von Vettel war es in Monza wieder diese Ungeduld. In dem Fall sogar gepaart mit der Schwäche aus dem Qualifying, in dem er diesmal das nicht geschafft hat, was jeder Fahrer als allererstes tun muss: Den Teamkollegen schlagen. Von Pole wäre Hamilton wohl nicht an ihn ran gekommen!

Ich werde nicht soweit gehen, daraus nun zu schlussfolgern, dass die WM bereits gelaufen ist. Es kommen noch einige Rennen, die Ferrari oder sogar Red Bull deutlich besser schmecken sollten als Mercedes und wenn mal nicht nur Vettel, sondern auch noch ein Verstappen und/oder ein Raikkonen vor Hamilton ins Ziel kommen, dann kann man schon in 2 Rennen wieder auf Tuchfühlung sein.

Und dennoch: Wenn in der Startaufstellung 2 Ferrari die erste Reihe zieren, dann soll man eigentlich mit nur noch 7 Punkten Rückstand zum nächsten GP reisen und nicht mit 30! Jetzt darf sich Vettel keine Schwäche mehr erlauben. Um in die Riege der ganz Großen – also in einem Atemzug mit Namen wie Senna, Prost, Fangio oder Clark genannt zu werden, muss er nun liefern. Siege, Punkte, Zweite Plätze hinter Verstappen und am Saisonende den WM Titel.
Dies, und nichts weniger erwarte ich von Sebastian Vettel, um ihn dann am Saisonende zum Super-Seb zu erheben!


Unterdessen beginnt das Fahrerkarussell sich derart zu drehen, dass man schon von einem Generationswechsel sprechen kann. Bei Ferrari muss ein perfekter Nummer 2 Fahrer seinen Platz für einen 19 Jahre jüngeren Fahrer räumen. Man kann dies auf ein angebliches Versprechen von Sergio Marchionne zurückführen, oder aber auch als Hinweis darauf werten, dass man sich bei Ferrari auf eine Zeit nach Vettel vorbereiten möchte. Die nicht schon 2019 oder 2020 kommen muss, aber in 21 sollte Leclerc in der Lage sein, die Position des Teamleaders und WM-Titelanwärters zu übernehmen.

Als Topteam muss man auch Red Bull in diesem Jahr noch betrachten. Ob das 2019, dann mit Honda Power im Heck, auch noch so sein wird, bleibt abzuwarten. Bei Torro Rosso kann man nicht unbedingt sagen, dass der Wechsel von Renault zu Honda zu einem Einbruch geführt hätte. Und auch die roten Bullen haben Gefallen gefunden an der Jugend. Neuer Teamkollege des 20-jährigen Max Verstappen wird der 21-jährige Pierre Gasly, der von den beiden Red Bull Junioren den stärkeren Eindruck hinterlässt. Nachdem man wegen zu starker Fahrerpaarungen im Hauptteam Red Bull in den letzten Jahren Top-Talente wie Jaime Alguersuari, Sebastien Buemi, Jean-Eric Vergne oder zuletzt Carlos Sainz jun. Nicht befördert hat, bekommt mit Gasly nun – etwas überraschend – nach Verstappen der nächste Junior die Chance, sich zu behaupten. Ob er dies mehr verdient hat, als oben aufgelistete Fahrer, muss er noch unter Beweis stellen.

Bei McLaren verlässt der „unglückliche Wechlser“ Fernando Alsonso, ein Fahrer, der über Jahre hinweg das unglaubliche Kunststück vollbringt, in jedem einzelnen Rennen etwas mehr an Resultat herauszuholen, als im Optimalfall möglich wäre, die Formel 1, der gut und gern auch 5 WM Titel mitnehmen hätte können. Vielleicht fehlte ihm dafür aber neben etwas Wechselglück auch die Fähigkeit, ein Auto so weiterzuentwickeln, dass es siegfähig wird. Nun werden der 26-jährige Stoffel Vandoorne und der 37-jährige Fernando Alonso eben durch den 24-jährigen Carlos Sainz Junior und den 18-jährigen Formel 2 Titelaspiranten Lando Norris ersetzt!

Man darf nun gespannt sein, ob auch im hinteren Feld die Jugend für 2019 den Vorzug erhält, oder ob sich dort die Erfahrung durchsetzt.

Aber vorher garantiert natürlich die Saison 2018 noch für Spannung. Denn Hamilton mag 30 Punkte vorn liegen. Mit Singapur, Mexiko, Brasilien oder Abu Dhabi kommen aber noch genügend Kurse, an die Mercedes kaum große Erwartungen knüpfen kann…

Euer Alex!

 

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