Kolumne: Alex´Corner

Alex´Corner ist die Formel-1 Kolumne unseres Experten Alex. Hier erfahrt Ihr immer die allerwichtigsten Neuigkeiten, geheime Trends, spekulative Vermutungen und alles, was der wirkliche F1-Fan begehrt. Da, wo sich der Laie wundert und der Fachmann staunt, da fängt Alex´Corner erst an..

In seinen wöchentlichen Telefonaten mit Bernie, Max und Co. dringt Alex in Sphären vor, die kein Kai Ebel zuvor gesehen hat...

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2010-03-15: Wer kann Was? Die große Saisonvorschau

Bevor es Beschwerden hagelt, gebe ich schon hier unumwunden zu: ja, ich habe gemogelt. Mit der Saisonvorschau zu warten, bis das erste Rennen vorbei ist, ist wie einen Tipp abgeben, wenn das Qualifying schon vorbei ist. Und dabei gab es eigentlich gar keine großen Überraschungen. Sicher hätte ich von Force India nicht erwartet, dass man einen Mann ins Top 10 Qualifying bringt und das auch noch durch Punkte gleich im ersten Rennen bestätigt, noch weniger vielleicht, dass die Punkte von Liuzzi eingefahren werden. Auch die Vorstellung von Sebastian Vettel war besser als erwartet, doch ganz ehrlich muss man sagen: große Überraschungen sind ausgeblieben.

Wenn man sieht, dass es in die Top 8 im Rennen nur die 8 Fahrer der 4 besten Teams aus 2009 geschafft haben, dann ist das weit weniger spektakulär als im letzten Jahr, als mit Jenson Button und Sebastian Vettel 2 Fahrer den WM-Titel unter sich ausgemacht haben, deren Teams im Jahr zuvor nicht zu den besten 5 gehörten. Komplettiert wurde das bepunktete Feld einem Williams und ein Force India, diese Teams konnte man nach 2009 aber ebenfalls für Ränge im vorderen Mittelfeld einschätzen.

Und obwohl auch die 3 neuen Teams die Erwartungen voll erfüllten (Totalausfälle für HRT und Virgin; Lotus zuverlässig aber 2 Sekunden vom Mittelfeld entfernt), wird die folgende Saisonvorschau den einen oder anderen doch ein wenig überraschen. Nach dem GP von Abu Dhabi am Nachmittag des 14. November 2010 wird die Formel 1 Konstrukteurs-WM 2010 wie folgt aussehen:

1. Ferrari:
Das erste Rennen gewinnen heißt meist nicht viel, doch in diesem Fall muss man neidlos eingestehen, dass Ferraris Strategie, sich schon früh gedanklich aus der WM 2009 zu verabschieden und die Entwicklung des neuen Autos voranzutreiben aufgeht. Das teaminterne Duell Felipe Massa gegen Fernando Alonso könnte dabei Ausmaße annehmen, wie man es zuletzt Anfang der 90-er Jahre bei McLaren erleben durfte, als sich Ayrton Senna und Alain Prost duellierten. Wer dabei am Ende die Nase vorn haben wird, könnte sich zur Gretchenfrage der WM 2010 herauskristallisieren, ich persönlich tippe eher auf den Brasilianer, der – auch und gerade durch den schweren Unfall im letzten Jahr – als besonnenerer und besserer Fahrer zurückkehrt.

2. McLaren-Mercedes:
Etwas ärgerlich für die Entescheider in Stuttgart, aber auf Grund der einfach besseren Fahrerpaarung und eines nun mal seit Jahren erfolgreich zusammengewachsenen Teams setzt sich McLaren – trotz der Degradierung zum Kundenteam – gegen das neue Mercedes Werksteam um Ross Brawn durch und holt sich den zweiten Platz in der Konstrukteurs-WM. Nur wenn man tatsächlich in der Lage ist, um Siege mitzufahren, wird Jenson Button die Motivation haben, 100% zu geben, welche nötig sind um Lewis Hamilton im gleichen Auto hinter sich zu lassen. Das genügt nicht, weshalb sich Hamilton teamintern durchsetzt und vielleicht schon 2011 zu Mercedes GP wechseln darf, wo dann der Platz neben Nico Rosberg wieder frei ist.

3. RedBull:
Auch wenn man zu Saisonbeginn um die Siege mitkämpft, die Saison ist zu lang und Marc Webber im entscheidenden Moment einfach nicht genug Siegertyp um mehr als einen dritten Rang in der Konstrukteurs-WM zu erreichen. Nach dem überraschenden Aufstieg in die Liga der Großen in 2009 ist das Resultat aber dennoch erfreulich und letztlich die Bestätigung als Topteam. Dass man Sebastian Vettel langfristig ans Team bindet, kann für die nächsten Jahre bedeuten, dass auch noch mehr drin ist, 2010 ist bei Rang 3 aber Schluss.

4. MercedesGP:
Ein genialer Ross Brawn und ein zurückgeholter Frührentner genügen eben nicht, um in der Formel 1 ganz vorn zu sein. Dass 2009 kein normales Jahr war und man nicht davon ausgehen konnte, die Ergebnisse aus diesem für dies Team sensationellen Jahr einfach fortzuschreiben, muss man sich auch bei Daimler schon gedacht haben. Daher hat man ja zur Aufrechterhaltung des medialen Interesses Michael Schumacher reaktiviert. Langfristig ist die Strategie von Mercedes sicher nicht verkehrt, da McLaren nie im Leben 100% am Team verkaufen würde. Aber wie schon in 2009, als man sich prioritär bei McLaren engagierte und dann zusehen musste, wie die BrawnGP Fahrzeuge zum Teil beinahe Kreise um die McLaren zogen, setzt sich auch 2010 ein Kundenteam gegen das eigentliche Werksteam durch, was sicher etwas seltsam anmutet. Aber wenn man 2011 dann wieder durch Leistung statt durch einen überbezahlten Rentner Aufsehen erregen kann, ist das auch wieder vergessen…

5. Renault:
Noch wenige Wochen nach dem Ende der WM 2009 sah Alles nach dem endgültigen Rückzug des Teams aus der Formel 1 aus. Doch letztlich hat man sich dann entschieden dabei zu bleiben und das aus gutem Grund. Mit Robert Kubica und Vitali Petrov hat man eine starke Fahrerpaarung und im Laufe der Saison wird man sehen, dass sich dies auch bemerkbar macht. Im letzten Saisondrittel könnte sogar noch ein Sieg drin sein. Aber unterm Strich genügt es 2010 eben nur zu Rang 5. Doch die Richtung stimmt.

6. Force India:
Einen Sieg wird es 2010 nicht geben, dafür sind die Leistungsschwankungen 2010 einfach zu gering. Aber wenn man sich ansieht, was aus dem Team geworden ist für welches Youssou N'Dour einst einen Welthit schrieb („It´s not a second, it´s seven seconds away“), kann man den Indern nur Respekt aussprechen. Während 2009 noch außer 2 unerklärlich starken Rennwochenenden kaum etwas von Force India zu sehen war und man nicht nur mit mangelnder Konstanz, sondern auch mit mangelnder Zuverlässigkeit zu kämpfen hatte, zeigt sich das Team 2010 von einer anderen Seite. Konstant, stabil und konzentriert. Wenn man nun noch für 2011 einen indischen Fahrer holen würde, dann kann das Engagement von Vijay Mallya doch noch zu einem Indien GP führen und Indien als neuen Massenmarkt für die Formel 1 und ihre Protagonisten öffnen.

7. Williams:
Rang 7 hinter Renault und Force India ist sicher eine grobe Enttäuschung. Dass sich Rubens Barrichello in der ersten Saisonhälfte mit seiner Erfahrung noch gegen den Neuling Nico Hülkenberg durchsetzt, war zu erwarten, wenn Hülkenberg jedoch eine langfristigere Karriere in der Königsklasse des internationalen Motorsports plant, sollte sich das spätestens ab Saisonmitte ändern. Denn 2010 soll schließlich zu dem Jahr werden, in dem die jungen Nicos die gealterten Ex-Ferrari-Fahrer in die ewigen Jagdgründe schicken!

8. Torro Rosso:
Da gibt es kaum was zu zu sagen. Rang 8 ist nicht Fleisch und nicht Fisch, das Team bemüht sich zwar nach Kräften, doch im Red Bull Konzern ist man nun mal nicht mehr als ein Talentschuppen, in dem man sich für die Nachfolge von Marc Webber bemüht. Alle 4 Fahrer, die bei Torro Rosso angestellt sind, haben Potenzial, dass Sebastien Buemi mit 21 Jahren der Älteste der 4 ist, spricht dabei Bände. Der Aufgabe des Teams entsprechend werden neben Jaime Alguersuari auch Brendon Hartley und Daniel Ricciardo zum Einsatz kommen.

9. Lotus:
Eine kleine Sensation am Ende des Feldes: Lotus ergattert als bestes der 3 neuen Teams mehr Punkte als die erfahrene Sauber-Truppe. Dass man gleich im ersten Rennen beide Autos ins Ziel bringt und bei der schnellsten Rennrunde lediglich 2,5 Sekunden hinter einem Team wie Mercedes GP zurückliegt ist schon ein Fingerzeig. Regelmäßige Punkte im letzten Saisondrittel genügen, um einen respektablen achten Rang sicher zu stellen und mit gehörigem Abstand bestes neues Team zu werden.

10. Sauber:
Dass man überhaupt an der WM 2009 teilnimmt, ist nach dem Ausstieg von BMW und dem langen Hickhack um die Übernahme durch Peter Sauber ein Erfolg, die Fahrerpaarung de la Rosa / Kobayashi jedoch ein Armutszeugnis. Dass dafür ein Nick Heidfeld die Rennen 2010 aus dem Dunkel der MercedesGP Box sehen muss, ist schon eine halbe Tragödie. Dass Peter Sauber das Geld noch nie zum Fenster hinaus geworfen hat, ist bekannt, doch hier hat er ganz klar an der falschen Stelle gespart. Ein erfahrener aber nur mittelschneller Fahrer ist ja in Ordnung, aber dann muss man schon den Mumm haben, ein junges Talent daneben zu setzen, jemanden der entweder sang- und klanglos untergeht oder aber zum Star avanciert. Das ist Kobayashi trotz seiner 23 Jahre leider nicht.

11. Vigin:
Das andere Extrem. Trotz einer vielversprechenden Fahrerpaarung kann Virgin nicht überzeugen. Doch wie Manor in der Formel 3 muss man dem Team auch unter neuem Namen in der Formel 1 ein paar Jahre Zeit geben, um sich zu entwickeln.

12. HRT:
Beide HRT haben es in Bahrain geschafft, eine gezeitete Runde im Qualifying zu absolvieren. Dies ist vielleicht die größte Sensation des Auftaktrennens in Bahrain. Wenn man sich von Rennen zu Rennen um eine halbe Sekunde pro Runde verbessern kann, ist man beim letzten Rennen im Mittelfeld angelangt. Doch das ist unrealistisch. Jeder Punkt für HRT wäre eine Überraschung, das fahrerische Potenzial eines Bruno Sennas kann aber dennoch dazu führen, dass diese eintreten. Ob das Team die Saison zu Ende fährt, kann man ebenso wenig sicher sagen. Doch die Leistung der Mechaniker und Ingenieure nach der Rettung des Teams in letzter Minute zwei Autos auf die Strecke zu bringen, ist ein bedeutender Fingerzeig.

Euer Alex!

 

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