Kolumne: Alex´Corner

Alex´Corner ist die Formel-1 Kolumne unseres Experten Alex. Hier erfahrt Ihr immer die allerwichtigsten Neuigkeiten, geheime Trends, spekulative Vermutungen und alles, was der wirkliche F1-Fan begehrt. Da, wo sich der Laie wundert und der Fachmann staunt, da fängt Alex´Corner erst an..

In seinen wöchentlichen Telefonaten mit Bernie, Max und Co. dringt Alex in Sphären vor, die kein Kai Ebel zuvor gesehen hat...

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2008-03-12: 2008 – Alles auf Rot?

Am Wochenende ist es bereits wieder so weit. Nach vielen langen Monaten ohne Kerbs und Downforce, ohne Senna-S, Verdol-Z oder Hangar Straight, und vor Allem ohne RTL-Kommentatoren die für die „Neu hinzu gekommenen“ noch ein mal das Reglement beim Qualifying erklären, startet im spätsommerlichen Australien zu einer fast humanen Zeit (15.30 Uhr Ortszeit bedeutet 5.30 Uhr in Kontinentaleuropa) die Formel 1 WM 2008.

Nun erwartet der aufmerksame Zuschauer unter Umständen einen Alleingang der Ferrari. Eine rote Saison oder ein Duell Raikkönen gegen Massa. Zugegeben, die Wintertests lassen schon als Schlussfolgerung zu, dass man in Maranello verdammt gut gearbeitet hat und dass das Team Nr. 3 der letzten Saison, BMW-Sauber, ernste Schwierigkeiten hat. Doch abgesehen davon, dass ein offener Schlagabtausch Massa – Raikkönen durchaus ähnliche Brisanz mit sich bringen könnte wie vor vielen Jahren die Senna-Prost Duelle bei McLaren, muss man auch die Deutsch-Briten um den 2008 unumstrittenen Teamleader Lewis Hamilton zu den Top-Anwärtern auf die Siegespodeste der Formel 1 Welt 2008 zählen.

Wie man es von AlexCorner erwartet, werde ich mich natürlich auch in diesem Jahr aufs Glatteis begeben und für jedes einzelne Team eine Prognose abgeben. Dass es beim Tippspiel 2008 wieder einen Familiencontest zwischen der nimmersatten Föhrer Familie aus Arnsberg und den Newcomern der letzten Saison, der Familie Mayerhofer aus Waldviertel geben wird, ist kein Geheimnis. Aber der Frage ob Force India oder Super Aguri ganz hinten landen werden, oder ob Toyota oder Honda das Japan Duell für sich entscheiden werden oder ob Williams oder Red Bull das bessere Kunden-Motor Team werden, stelle ich mich an dieser Stelle und freue mich schon jetzt auf die Kritik am Saisonende.

Ferrari:
Wie oben erwähnt ist Ferrari das Team, welches es ab Sonntag zu schlagen gilt. Nach dem 2 Rennen vor Saisonende bereits verloren geglaubten Fahrer WM-Titel 2007 konnten die Italiener in Ruhe und mit Rückenwind in die Saisonvorbereitung gehen. Allem Anschein nach hat dies gut funktioniert. Dass Ferrari mit Weltmeister Raikkönen und „Schumacher-in-die-Rente-Schicker“ Massa zudem die stärkste Fahrerpaarung in die Boliden setzen kann unterstreicht den Führungsanspruch. Wer in den ersten Rennen weniger als 13 Punkte auf die Ferrari setzt, wird nicht um die Tippkrone kämpfen können.
Doch der WM-Titel wird erst nach dem letzten Rennen vergeben. Die anderen werden aufholen. Trotzdem wird Ferrari den Konstrukteurstitel verteidigen.

BMW-Sauber:
Nick Heidfeld und Robert Kubica haben auch für 2008 unterschrieben, weil beide auf Siege gehofft und insgeheim vielleicht sogar auf einen möglichen WM-Titel spekuliert haben. Aus dem Titel wird sicher nichts. In der ersten Saisonhälfte werden die Blicke sogar eher den Rückspiegeln gelten. Das Auto hat zwar Potenzial, aber die Saison beginnt nun mal bereits in Australien und nicht erst in Europa. Eine starke zweite Saisonhälfte wird BMW einen letztlich doch recht souveränen dritten Platz unter den Konstrukteuren sichern, mit einer Performance zum Jahresende, die für 2009 zu Träumereien anregen könnte.

Renault:
Der Bad Guy der Formel 1 ist wieder zu Hause. Fernando Alonso hat mit Renault 2 Titel in Folge gewonnen und die Schumacher Ära besiegelt. Wer jetzt aber davon ausgeht, dass Renault ab Australien um den Sieg mitkämpfen wird, der wird sich eines Besseren belehren lassen müssen. An der Qualität des Fahrers Alonso darf man nicht zweifeln, jene des Entwicklers Alonso kann man allerdings durchaus mit einem kleinen Fragezeichen versehen. Neben dem Spanier muss Nelson Piquet jr., „Nelsinho“, beweisen, dass er die Chance die ihm Renault gibt auch tatsächlich verdient hat. Im Mittelfeld wird es derart eng, dass man sich auch an ein P13 hinter dem Namen Alsonso im ersten Saisondrittel gewöhnen muss. Doch am Ende der Saison wird Renault die Nummer 4 sein, in der Gesamtabrechnung muss man sich aber mit dem 5. Rang zufrieden geben.

Williams:
Nico Rosberg wird von der internationalen Presse gefeiert, von seinem Teamchef in den Himmel gelobt und das Auto scheint gut zu funktionieren. Es bleibt abzuwarten, was aus Nico Rosberg wird, doch erinnert mich seine Situation stark an Heinz-Harald Frentzen 1995, als dieser aus alter Verbundenheit dem Sauber Team treu blieb statt auf Verträge zu pfeifen und bei Williams Weltmeister zu werden. 2008 war nicht möglich, einen Vertrag bis Ende 2009 unterschrieben zu haben, könnte sich auf lange Sicht für Rosberg aber als schwerwiegende Fehlentscheidung herausstellen. Ein Fragezeichen steht hinter seinem Teamkollegen Kazuki Nakajima. Er hat zwar in den unteren Formeln Talent bewiesen, ihm steht aber eine harte Bewährungsprobe bevor. Williams ist derzeit schnell und kann in den ersten Rennen sogar BMW davon fahren, wenn man bei Blau-Weiß mal nicht die ganz richtige Abstimmung oder Strategie findet. Die Punkte aus den ersten Rennen helfen aber nicht, um das Saisonziel zu erfüllen. Hinter Renault muss sich Williams auf Rang 6 der Konstrukteurs-WM einordnen.

Red Bull:
David Coulthard verdient auch in seiner 104 Saison in der Formel 1 seine 4 Mio. USD Jahresgehalt und wird daher auch 2009 noch weiter machen, wenn man ihn denn lässt und Mark Webber bekommt eine elfte Chance zu beweisen, dass er nicht ein Alternder Rohdiamant ist, der nur noch richtig geschliffen werden muss.
Abgesehen von rüstiger Erfahrung auf Fahrerseite scheint bei Red Bull aber Alles zu funktionieren. Das Schwesterteam Torro Rosso sollte man von technischer Seite im Griff haben und der Abstand zum restlichen Mittelfeld ist recht klein. Je nach Tagesform können Trainingsergebnisse zwischen Rang 7 und Rang 19 liegen, letztlich ist man mit dem Kundenaggregat aber gegen die Werksteams und Williams machtlos. Ein 9. Rang in der Konstrukteurswertung zwingt das Team für 2009 hoffentlich auch in der Fahrerfrage zu etwas mutigeren Ansätzen.

Toyota:
Jarno Trulli darf an der Seite eines mit Spannung erwarteten Timo Glock nun endlich beginnen, die Früchte der langjährigen Arbeit zu ernten. Toyota müsste angesichts des Budgets der letzten 5-6 Jahre nun im dritten Jahr in Folge um den Titel fahren, doch die Rückschläge der letzten Jahre machen Bescheiden. Am Ende ist Rang 4 ein fantastisches Ergebnis, hat man doch mal wieder Honda hinter sich gelassen und auch den Rest des Mittelfeldes. Timo Glock könnte einer der großen Gewinner der Saison 2008 werden, wenn er im Laufe der Saison seinen Teamkollegen in die Schranken weisen kann. Ralf Schumacher ist das nie wirklich gelungen, Glock traue ich dies aber zu.

Torro Rosso:
Der zweite rote Bulle ist vom Fahrzeug her nicht stärker als der erste. Aber man hat mit Sebastien Bourdais und Sebastian Vettel eine ganz starke und hungrige Fahrerpaarung. Bourdais hat Europa 2002 den Rücken gekehrt, um nicht weniger zu erreichen, als im ersten ChampCar Jahr „Rookie of the year“ zu werden um dann 4 Titel in Folge einzufahren. Die Fahrerpaarung zähle ich neben jener von Ferrari und McLaren zu den absolut stärksten im Feld. Leider genügt das nicht. Torro Rosso ist mit dem Cosworth Motor und einem kleinen Budget nicht in der Lage im Mittelfeld Bäume auszureißen. Sollte man bei Red Bull / Torro Rosso mal Radikales vorhaben, wäre es sicher hoch interessant zu sehen, zu was für Ergebnissen eine Fahrer-Rocharde führen würde. Vor Bourdais / Vettel in einem Red Bull müsste man sich auch in einem Renault fürchten. Mit der 2008-er Kostellation ist aber Rang 8 das Maximum. Dank der stärkeren Fahrerpaarung aber vor dem großen Bruder Red Bull.

Honda:
Jenson Button und Rubens Barrichello, der mit 253 Starts seit 1993 erfahrenste Pilot im Feld ist eine gute Fahrerpaarung. Das Budget ist groß genug, um die gleichen Entwicklungschancen zu haben wie Renault oder BMW. Honda steht mit Know-How und viel Geld dahinter, sodass ähnlich wie bei Toyota die Frage wiederum nur heißen kann: WARUM schafft man es einfach nicht? Nachdem man 2006 bereits 86 Punkte gehamstert und damit Rang 4 in der Konstrukteurs-WM belegt hatte, standen die Signale gut, 2007 den Anschluss an die absolute Spitze zu schaffen. Doch am Ende der Saison stand man mit gerade 6 WM Punkten vor einem desaströsen en Scherbenhaufen. Immerhin kann es von dort nur noch bergauf gehen. Trotzdem ist ein 7. Rang hinter Williams nicht das, wofür Honda so viel Geld ausgibt.

Super Aguri:
Das positivste zuerst: Die Saison 2008 ist finanziell gesichert, nachdem ein zusätzlicher Investor gefunden wurde. Der Testrückstand ist jedoch beträchtlich und man muss froh sein, wenn man in den Überseerennen mal eine Zielflagge zu sehen bekommt. Anthony Davidson und Takuma Sato sind eine unterschätze Fahrerpaarung. Sato hätte den Platz neben Rosberg im Williams ebenso verdient wie Nakajima, Davidson muss hingegen aufpassen nicht zu einem zweiten Mark Webber zu avancieren. Force India ist die Messlatte für Super Aguri und selbst diese liegt über den Saisonverlauf zu hoch. Rang 11 und damit die rote Laterne für das Honda B Team Super Aguri.

Force India:
Die neuen Eigentümer-Strukturen haben frisches Geld und alte Gesichter in das ehemalige Jordan Team gebracht. Mike Gascoine und Ian Hall standen bereits an der Boxenmauer als das Vor-Vor-Vorgänger Team mit Fahrern wir Damon Hill und Heinz Harald Frentzen (wenn auch überraschende) Siege einfuhr. Zusammen mit einer strategisch wunderbar arrangierten Fahrerpaarung aus dem erfahrenen Giancarlo Fisichella und dem jungen, aber nicht zu draufgängerischen Adrian Sutil, der immerhin mit McLaren über das zweite Cockpit neben Hamilton verhandelt hat, könnte Force India 2008 überraschen. Natürlich muss man als Basis das Jahr 2007 sehen, als Spyker mit viel Glück ein einziges Pünktchen holen konnte. Trotzdem wird man Super Aguri hinter sich lassen und zum Saisonende den Torro Rosso und vielleicht sogar Red Bull gefährlich werden. Rang 10.

McLaren:
Nach einer schwierigen Saison 2007 muss man erst einmal wieder Ruhe ins Team bringen, was derzeit einfach nicht zu gelingen scheint. Es fällt McLaren schwer, das letzte Jahr zu verdauen. Im Prinzip hat man mehr Punkte gesammelt als Ferrari, hat man mit jeweils 108 Punkten für jeden der beiden Fahrer Fantastisches geleistet, doch wegen der Spionage-Affäre belegte McLaren in der Konstrukteurswertung Rang 11 und Kimi Raikkönen hatte am Ende einen Punkt mehr als Alonso und Hamilton. Nach einer gigantischen Debütsaison traute sich niemand zu sagen, was ich hier doch einmal ansprechen möchte: Wie kann man denn so blöd sein, sich bei 17 Punkten Vorsprung in der Fahrer-WM 2 Rennen vor Schluss den Titel noch nehmen lassen. Sicher hat Hamilton bis zum vorletzten GP keine Fehler gemacht. Aber derjenige von China war schon saudumm. Heikki Kovalainen, der neue zweite Mann im Team, kann Hamilton nicht das Wasser reichen und es bleibt abzuwarten, wie sich der junge Engländer als Teamleader schlägt. Die Ereignisse der letzten Rennen 2007 können einen Knacks verursachen, der sich zu einer ernsthaften Krise ausweiten kann, sollte McLaren zu Saisonbeginn so weit weg sein, dass Hamilton bereits in den ersten Rennen realisieren muss, dass er in Shanghai 2007 eine Chance weggeworfen hat, die nicht natürlicher Weise jedes Jahr wieder kommt. Es bleibt auch abzuwarten, wie stark sich die finanzielle Belastung durch die FIA Strafe auf das Entwicklungspotenzial von McLaren auswirkt. Nicht zuletzt wegen der schwächelenden Performance von BMW ist Rang 2 aber ziemlich komfortabel, wenn auch der Abstand zu den Ferrari gerade im Rennen viele überraschen wird.


Trotz der Übermacht von Ferrari wird 2008 Alles andere als langweilig. Wer Massa als braven Teamkollegen einschätzt, der Räikkönen zum Titel geleitet, der kennt das brasilianische Temperament nicht. Und noch hat McLaren nicht aufgegeben. Hamilton ist durchaus in der Lage fahrerisch mitzuhalten und hat seinerseits den Vorteil, im Team den klaren Nummer 1 Status zu genießen.

Hinzu kommt ein Mittelfeld, das eigentlich von BMW über Renault, Toyota, Honda, Williams und Red Bull bis hin zu Torro Rosso reicht. Diese Konstellation kann für einige der aufregendsten Rennen der letzten Jahre sorgen, wenn die Regeländerungen halten was sie versprechen und Fahrfehler wieder häufiger und Überholvorgänge dadurch wieder häufiger werden.

Ich bekomme auf jeden Fall schon jetzt schwitzige Hände, wenn ich an den Saisonstart am Sonntag morgen in Australien denke!

Euer Alex!

 

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