Kolumne: Alex´Corner

Alex´Corner ist die Formel-1 Kolumne unseres Experten Alex. Hier erfahrt Ihr immer die allerwichtigsten Neuigkeiten, geheime Trends, spekulative Vermutungen und alles, was der wirkliche F1-Fan begehrt. Da, wo sich der Laie wundert und der Fachmann staunt, da fängt Alex´Corner erst an..

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2007-03-13: 2007 – Suche nach einem neuen Feindbild

Nachdem die Saison 2006 so erfreulich endete, dass der Mann mit dem langen Kinn nicht noch einen weiteren WM-Titel feiern konnte, sondern er im Gegensatz in der WM seinen Meister gefunden hat und innerhalb des Teams von Massa stark unter Druck geriet, können wir uns auch 2007 auf eine interessante WM einstellen.

Wer dabei als neues Feindbild dienen kann, jetzt wo Michael Schumacher endlich seinen Helm an den Nagel gehangen hat, möchte ich im Nachfolgenden analysieren:

"" McLaren:""
Mit Fernando Alonso haben wir bereits den ersten Kandidaten. 2 WM-Titel im von Flavio Briatore geführten, voll auf den einen Superstar ausgerichteten Renault-Team, dann der Wechsel, dies kommt uns allen doch recht bekannt vor. Dazu ein schon in jungen Jahren sehr professionelles Auftreten, das oft zu glatt wirkt und an Arroganz nicht ganz arm. Wäre da nicht ein immer sehr faires Team McLaren, das mit dem jungen Lewis Hamilton den ersten farbigen Formel 1 Piloten der Geschichte verpflichtet hat, wären wir bereits am Ziel.
Wie man rein von den Namen McLaren und Alonso schon erwarten kann, ist der Spanier bereits in seiner ersten Saison im englisch-deutschen Team ein echter WM-Kandidat, manche stilisieren ihn gar zum Top-Favoriten herauf, doch da muss man erstmal an Massa vorbei. Und das ohne den früheren Erfolgsgaranten Adrian Newey. Trotzdem sorgen die Testfahrer de la Rosa und Gary Paffett dafür, dass zum einen gute Entwicklungsarbeit geleistet wird und die Stammpiloten sich zum anderen anstrengen, denn Paffett ist selbst heiß auf ein Cockpit, wie Hamilton es gerade erst bekommen hat.

"" Renault:""
Feindbilder sind hier Fehlanzeige. Fisichella ist und war schon immer Sympathieträger und Heikki Kovalainen ist neu in dem Business und muss erst einmal beweisen, dass er diesen Platz verdient hat. Ähnlich wie bei McLaren warten auch bei Renault mit Nelson Piquet jr. und Ricardo Zonta nämlich 2 junge sehr talentierte Fahrer auf ihre Chance. Dabei werden sowohl Fisichela als auch Kovalainen es nicht leicht haben. Renault hat bis Ende 2006 nur für den Titel gearbeitet und kannte im Team nur den Leader Alonso. Dies könnte sich bereits 2007 böse rächen.
McLaren und Ferrari sollten sich vor Renault einordnen und auch dann wird sich das Team eher nach hinten orientieren müssen, denn nach vorn, zumal auch BMW, Honda und Toyota endlich den Durchbruch schaffen wollen.

"" Ferrari:""
Die Feindbilder sind hoffentlich weg. Michael Schumacher hat ebenso aufgehört wie Ross Brawn; Jean Todt bekommt man nicht mehr so häufig vor die Kamera, da er die Karriereleiter hochgestolpert ist und nun in noch verantwortungsvollerer Position die Fäden zieht.
Wer also i Jahr 1996 seine Ferrari-Flagge zusammengerollt und gut verstaut hat, darf sie 2007 wieder auspacken. Nach Lage der Dinge darf auch viel gejubelt werden. Felipe Massa und Kimi Raikkonen sind die beiden Top-WM-Favoriten und wenn man sie fair gegeneinander fahren lässt, wartet auf uns ein neues 1988, nur dass die Akteure nicht McLaren fahren und Senna und Prost heißen, sondern Massa und Raikkonen in einem Ferrari.
Mit Angst habe ich jedoch verfolgen müssen, dass bei Testfahrten noch immer ein abgehalfterter ehemaliger Weltmeister aus dem Rheinland sein Kinn hinter den Monitoren der Boxengasse versteckte, was böses ahnen lässt. Doch Kimi und Felipe werden die Akzente schon so setzen, dass die Kameras auf der Strecke bleiben werden.

"" Honda:""
Hier ist alles beim Alten, Button und Barrichello kämpfen im besten Fall um Einzelsiege und die neuen Testfahrer Christian Klien, James Rossiter und Mike Conway dürften unter sich ausmachen, wer im nächsten Jahr den in die Jahre gekommenen Barrichello ersetzt, sollte dieser sich nicht gegen Button sehr stark in Szene setzen können.
Für ein Feindbild fehlen den Honda-Piloten allerdings der nötige Erfolg und zumindest Barrichello ist zudem ein sympathischer Mensch. Mit Spannung kann man auf die Duelle der beiden gegen die Toyota und die BMW warten. Je nach Strecke kann die Leistung zwischen Stockerl und Punktlosigkeit schwanken.

"" BMW-Sauber:""
Es gibt wohl kaum jemanden in der Welt der Formel 1, der diesem Team und seinen beiden Fahrern nicht einen oder zwei Siege in der WM 2007 gönnt. Und genau dies kann man von dem Team auch erwarten. Die Weltmeisterschaft kann man ggf. für 2008 oder 2009 anpeilen. Frühestens dann kann man auch anfangen, ggf. ein Feindbild in diesem Team zu suchen.
Sebastian Vettel und Timo Glock warten derweil darauf, dass einer der beiden Stammfahrer Nick Heidfeld und Robert Kubica gegenüber dem anderen so stark abfällt, dass ein Austausch notwendig ist. Vermutlich ist es jedoch realistischer, dass einer von beiden sich bei einem Team wie Renault oder Toyota für einen langfristigen Vertrag empfiehlt und so einer der beiden jungen Deutschen aufrücken kann.

"" Toyota:""
Wäre Toyota nicht trotz des enormen Etats seit Jahren nur durchschnittlich, wäre Ralf Schumacher ein würdigen Nachfolger seines Bruders als Feindbild. Doch mit dieser Frau an seiner Seite in einem Toyota auf verlorenem Posten zu kämpfen und das auch noch mit dem womöglich noch immer meistunterschätztem Fahrer der Formel 1 Jarno Trulli an seiner Seite, erzeugt mehr Mitleidssympathie, als Angela Merkel durch ihre Herkunft und ihr Aussehen zusammen bekommen kann.
Viel mehr als vereinzelte Punkte und in einen glücklichen Rennen zum Saisonende vielleicht mal ein Podestplatz ist für Toyota nicht drin. Daher wechselte Zonta auch zu Renault und als neuer Testfahrer konnte lediglich Franck Montagny verpflichtet werden. Immerhin kann sich Toyota auch 2007 wahrscheinlich wieder mit dem Titel „höchster Etat in der Königsklasse des Motorsports“ krönen. Das ist doch auch was.

"" RedBullRacing:""
Sowohl David Coulthard als auch Mark Webber haben nicht das Zeug zum Feindbild. Selbst wenn sie in einem konkurrenzfähigen Auto säßen. Doch selbst der gekaufte Renault-Motor im Heck wird keine Wunder bewirken können.
Für Punkte muss es vorn Ausfälle geben oder Toyota doch noch schlechter sein, als nach den Testfahrten ohnehin schon zu befürchten ist.

"" Williams:""
Es ist schade mit ansehen zu müssen, wie die eine Fehlentscheidung, BMW nicht mehr Macht und eigene Anteile am Team zu übernehmen zu einem solchen Niedergang des Teams führen kann. Es ist noch nicht so lange her, dass Damon Hill und Jacques Villeneuve für Williams Weltmeister wurden.
Heuer müssen Nico Rosberg und der nach dem langen Testfahrerstatus wieder Rennen fahrende Alexander Wurz gegen RedBull und Torro Rosso um das fahren, was vom Tisch der Großen herunterfällt. Gegenüber 2006 hat man zwar mit Toyota einen stärkeren Motorenpartner gefunden, doch auch die Nummer eins unter den „Privaten“ zu sein, heißt in der modernen Formel 1, dass man um jeden einzelnen Punkt kämpfen und sich darüber freuen muss, überhaupt einen bekommen zu haben.

"" Scuderia Torro Rosso:""
Das zweite Red Bull Team startet mit Ferrari Motoren und mit Scott Speed und Vitatonio Liuzzi, ansonsten ist es ziemlich Red Bull. Gerade aus diesem Grund ist es spannend mitzuverfolgen, ob Torro Rosso sich dann und wann gegen Red Bull durchsetzen kann, denn dadurch kann man durchaus Rückschlüsse auf die Motoren von Ferrari und Renault ziehen.
Sollten Speed oder Liuzzi eine anständige Saison fahren, können Sie 2008 Red Bull fahren, ob dieser Unterschied jedoch sehr groß ist, bleibt abzuwarten. Feindbilder kann man in dem Team jedenfalls nicht finden, zumal wenn man solche sucht, die auch mal auf dem Bildschirm zu sehen sind.

"" Spyker:""
Christian Albers und der vierte Deutsche, Adrian Sutil kämpfen auf verlorenem Posten. Einzige Hoffnung, die sich Teams wie Spyker machen dürfen, ist es irgendwann vielleicht mal von einem Automobilkonzern gekauft zu werden, der noch nicht in der Formel 1 aktiv ist.
Der Ferrari Motor im Heck sollte zumindest dafür sorgen, dass man Super Aguri hinter sich lassen kann. Emotionen, ob negativ oder positiv, wird das Jordan-Nachfolge-Team nicht auf sich vereinen können. Auch nicht die als Feindbild.

"" Super Aguri:""
So wie Torro Rosso ein zweites Red Bull ist, ist Super Aguri ein zweites Honda. Das Auto ist zwar bislang noch nicht gefahren, doch Takuma Sato und Anthony Davidson sollten ein paar Runden in Melbourne hinbekommen.

Die womöglich wahrscheinlichste Variante ein würdiges Feindbild zu finden ist demnach leider die, dass Michael Schumacher uns nicht die Erlösung verschafft, auf die wir alle lange hofften und die wir als erreicht ansehen wollten.
Doch mit Raikkonen und Massa kann selbst Michael Schumacher das Ferrari Team nur schwer unsympathisch halten. Und eine spannende Saison 2007 kann er allemal nicht verhindern.

Euer Alex!

 

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