Kolumne: Alex´Corner

Alex´Corner ist die Formel-1 Kolumne unseres Experten Alex. Hier erfahrt Ihr immer die allerwichtigsten Neuigkeiten, geheime Trends, spekulative Vermutungen und alles, was der wirkliche F1-Fan begehrt. Da, wo sich der Laie wundert und der Fachmann staunt, da fängt Alex´Corner erst an..

In seinen wöchentlichen Telefonaten mit Bernie, Max und Co. dringt Alex in Sphären vor, die kein Kai Ebel zuvor gesehen hat...

alle Beiträge aus Alex´Corner lesen

2000-09-12: Wird Trulli Jordans Nr. 1?

Bevor ich heute anfange, das Rennen zu analysieren und über Michael Schumacher herzuziehen, möchte ich eine Schweigezeile für den am Sonntag tödlich verunglückten italienischen Feuerwehrmann Paolo Ghislimberti, der eine schwangere Frau hinterlässt, einfügen.
.
Ungeachtet aller Kritik, die von Medien, italienischen Staatsanwaltschaften und einigen Fahrern kommen wird, möchte ich mich darauf festlegen, dass dies zwar ein tragischer Unfall war, für den jedoch weder Organisatoren noch irgendwelche Fahrer verantwortlich zu machen oder zur Verantwortung zu ziehen sind. Es gibt keine 100%-ige Sicherheit und auch Paolo Ghislimberti war sich der Risiken bewusst, wie er sich als italienischer Formel 1-Fan auch den Fortgang des Rennens gewünscht und sich über den Sieg des italienischen Ferrari-Teams gefreut hätte.
Sehrwohl kritisieren möchte ich die Rennleitung allerdings für 2 Dinge:
1. Weder für die Spannung noch für die Sicherheit und auch nicht für die sportliche Fairness ist es auch nur annähernd sinnvoll, ein Rennen über 1/6 der Renndistanz hinter einem Safetycar zu fahren, wenn sich in den ersten Kurven nach dem Start ein Unfall ereignet, dessen Aufräumarbeiten sich über eine so lange Zeit hinziehen wie hier der Fall und bei dem 6 der ersten 10 Fahrer der Startaufstellung aus dem Rennen katapultiert werden.
2. Um schnellere Fahrzeuge nicht aufzuhalten ist das Schwenken blauer Flaggen sinnvoll, nicht jedoch wie am Sonntag geschehen, wenn ein noch so schneller Ricardo Zonta durch einen Boxenstop hinter Alesi zurückfällt. Das war ein normaler Positionskampf, bei dem das Schwenken einer blauen Flagge ein irregulärer Eingriff ins Renngeschehen ist. Zudem sollte ein zu überrundender Fahrer erst dann diese Flagge gezeigt bekommen, wenn der Überrundende auch in einer Position ist, aus der er überholen kann, und nicht schon eine halbe Runde zuvor.
Jetzt möchte ich mich aber doch noch dem Renngeschehen widmen, welches wie oben erwähnt für einige Top-Piloten nur sehr kurz weilte. An der Spitze gibt es nicht viel zu analysieren. McLaren war am ganzen Wochenende nie in der Lage Ferrari Paroli zu bieten. Da die anderen beiden ausgeschieden sind, war der Sieg von Schumacher vor Häkkinen nicht wirklich überraschend. Interessant wäre gewesen, wie Barrichello sich geschlagen hätte, nachdem er ja schon im Qualifying die beiden WM-Leader mächtig unter Druck gesetzt hatte. David Coulthard muss und wird sich in den letzten drei Rennen nun mit der Position des Helfers zufrieden geben, aber er hat diese WM nicht in Monza verloren, sondern schon bei den letzten beiden GP in Spa und Ungarn, wo er dem brillanten Mika Hakkinen nichts entgegen zu setzen hatte.
Williams war gewohnt stark, brachte aber nur ein Auto ins Ziel, weil Jenson Button erstmals in dieser Saison ein Opfer seiner Unerfahrenheit wurde. Ralfs Platz als best of the rest, was in diesem Falle der 3. Rang war wird inzwischen als Selbstverständlichkeit angesehen, sollte aber gerade vor dem Hintergrund von 4 Autos mit Honda-Super-Power wieder lobend erwähnt werden.
Zwei dieser Autos sind die BAR, die einen sehr starken Eindruck hinterließen. Doch Villeneuve rollte aus und Zonta überraschte seine Kritiker mit einer starken ersten Rennhälfte, konnte aber nach der Vorverlegung seines zweiten Tankstops nicht mehr den anfänglichen Speed mitgehen und musste sich zuletzt sogar wegen eines Verbremsers in der Schikane mit einem Platz hinter Alexander Wurz begnügen. Mit BAR wird aber zumindest in Indianapolis und Suzuka zu rechnen sein. Und in der nächsten Saison sowieso, obwohl man den Rohdiamanten Zonta gegen den als Testfahrer in einer angemessenen Position fahrenden Panis ersetzen wird, nur weil man nicht die nötige Geduld mitbringt.
Kritisch wird die Situation von Frentzen im Jordan Team. In den letzten Rennen wurde er ständig vom überzeugenden Jarno Trulli geschlagen und der Verursachte Crash bei diesem GP ist für seine Position im Team auch nicht gerade förderlich zumal er dort auch Trulli die Chance nahm, ein gutes Rennen zu fahren. Sowieso ist Trulli für mich der Pechvogel der Saison: Technischer Defekt in Australien auf Punktekurs, Getriebeschaden in Imola auf Punktekurs, Nürburgring: sechster Stratplatz; dann von Fisichella abgeschossen, Monaco: Startplatz 2 und Position 2 im Rennen - bis zum Getriebeschaden, Österreich: Startplatz 5; dann von Michael Schumacher abgeschossen, Hockenheim: Dritter Platz im Rennen, dann zu Unrecht eine Stop-and-Go-Strafe, die ihn auf Rang neun zurückwarf, Belgien: Startplatz 2 Position 2 im Rennen - bis Button ihn eliminierte und in Italien wieder Startplatz 6 und das unverschuldete Aus nach wenigen Kurven. Wenn er für dies Pech noch entschädigt werden sollte, dann müssten bei den letzten drei Rennen mindestens 1 Sieg und ein weiterer Podestplatz herausspringen. Aber vielleicht sammelt er ja auch sein Glück nur für die Saison 2001.
Arrows zeigte mal wieder, das sie das aerodynamisch effizienteste Auto gebaut haben und wurden mit drei Punkten hierfür auch reichlich belohnt. Abgesehen davon, dass ich keine echten Alternativen für das Team sehe, finde ich auch die Leistungen der beiden Piloten gut genug, um zumindest für jeweils ein Jahr zu verlängern. Bei Benetton profitierte Wurz von Fisichellas Pech und Zontas Fehler und holte sich somit nach etwas Pech und vielen schlechten Leistungen die ersten Punkte des Jahres.
Minardi war im Rennen wieder besser als man es mit einem solchen Motor und dem Budget erwarten könnte, von Sauber und Jaguar habe ich das ganze Wochenende über nichts gesehen, was es zu kommentieren wert gewesen wäre. Darum beschränke ich mich bei Jaguar auf die traurige Feststellung, dass nicht Dario Franchitti sondern der bis jetzt noch recht erfolglose Luciano Burti Herberts Platz übernehmen wird. Bei Sauber gibt es nun auch endlich Konkretes zur nächsten Saison: Nick Heidfeld hat sich sein Grab geschaufelt und bei Sauber für 36 Monate, d.h. 51 Rennen unterzeichnet. Entweder weiss er über die Zukunft des Teams mehr als ich, oder er hatte Angst gar keinen Vertrag für 2001 zu bekommen und eine Jörg-Müller-Karriere einzuschlagen und in der Versenkung zu verschwinden. Sollte man auch Zonta verpflichten können, hätte man wenigstens gute Fahrer für die nächste Saison. Aber Mika Salo ist auch sicher kein Schlechter und man hat gesehen, was er nur zu leisten im Stande war.
Über Prost wäre das Positivste was mir einfällt, das Team gar nicht zu erwähnen. Und das Alesi immer schön Platz gemacht hat. Sollten Diniz und die Ferrari-Kundenmotoren des Vorjahres an Land gezogen werden, hat man für 2001 immerhin einen Mittelklassemotor und Parmalat-Gelder. Auch das wird nicht den erforderlichen Quantensprung auslösen.

Euer Alex!

 

Kommentare

Bisher sind keine Kommentare vorhanden.

zur Forumsübersicht

Dieses AlexCorner bewerten!

Deine Bewertung (1 = sehr schlecht, 10 = sehr gut)

                          

durchschnittl. Bewertung: 5.0 Punkte Wertung: 5.0 Punkte